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Den Namen DJ Desue liest man auf jedem zweiten HipHop-Album, das hierzulande veröffentlicht wird. Er produziert hochkarätige Beats für Samy Deluxe, ASD, Afrob, Fler, Dean Dawson, Bushido, D-Flame, Brooke Russell, Sentino, Brothers Keepers, KC da Rookee, KMC, Harleckinz und viele mehr. Mit seinen Beiträgen auf der „Aggro Ansage Nr. 3“ von Aggro Berlin, der Single „Letzte Warnung“ für die Brothers Keepers, die es auf Platz vier der deutschen Singlecharts schaffte, oder auch „Four Fists“ von KC da Rookee featuring Afrob, D-Flame und Samy Deluxe machte er sich einen immer größeren Namen und ist in der Produzentenwelt nicht mehr wegzudenken. Fakt ist, dass er schon seit Jahren zu den besten Producern zählt und durch seine Arbeiten für viele zum Vorbild geworden ist. Desue war der erste Beatbauer in Deutschland, der mit amerikanischen Rappern zusammen arbeitete. Junge Producer sagen heute, dass sein erstes Album „Operation Left Coast“ ein wegweisendes Werk für sie war. „Es ist natürlich eine Ehre, dass sie das so sehen, aber viele, die das sagen, sind nur ein paar Jahre jünger als ich und können genau so etwas machen oder sind schon auf dem besten Weg dahin. Ich habe eben sehr früh damit angefangen.“
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Bereits mit 14 Jahren bastelte er zusammen mit Kool Savas und Fuat zuhause bei seinen Eltern auf dem Amiga an Beats. „Savas rappte damals noch auf Englisch und man kann sich wohl irgendwie vorstellen, wie das ausgesehen haben muss, als wir dort rumhantierten und versuchten das aufzunehmen, indem wir das Mikro an die Lautsprecher hielten.“ Aber was recht unprofessionell anfing, leitete gleichermaßen auch den Weg in die Professionalität ein. Das DJing und Produzieren faszinierte Desue und ließ ihn nicht mehr los. Er arbeitete mit Fuat im HipHop-Mobil in Berlin, einer Einrichtung ausgestattet mit Equipment, das sich zum produzieren eignete. Dort verbrachte er viel Zeit und schraubte regelmäßig an seinen Beats. Zwischendurch bekam er immer wieder Möglichkeiten sein Können am Publikum zu testen. Der Writer Prime hatte damals die Radiosendung „Kiss FM Outlines“, in der es hauptsächlich um Graffiti ging. Mit fünfzehn – zu jung und vielleicht zu unerfahren um direkt im Club aufzulegen – konnte Desue sich hier erst einmal ausprobieren und regelmäßig auflegen. „Meine ersten „richtigen“ Auftritte waren kleinere DJ Battles wie in der Arena in Berlin, wo man kleinere Preise wie einen Mixer oder ein paar Platten gewinnen konnte.“
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Ein Jahr später flog er mit seinem Bruder und ein paar Freunden nach New York, um dort dem wahren, ursprünglichen HipHop einen Schritt näher zu kommen. Dort lernte er auch einen gewissen Julien Smith kennen, der später noch eine tragende Rolle in seiner Karriere spielen sollte. „Ich zeigte ihm meine Sachen, die ihm auch gefielen, trotzdem war erst einmal Funkstille.“ Desue machte weiterhin das, was er auch vorher schon getan hatte. Es sprach sich schnell herum, welch ein Talent in dem jungen Berliner steckte, und so legte er immer mehr in Clubs auf und produzierte zum Beispiel für die Harleckinz, KC Da Rookee und KMC. Er verfolgte weiter seinen Weg, als sich eines Tages Julien meldete und ihm erzählte, dass er nach Los Angeles gezogen wäre und das Label Rah Rah Entertainment gegründet hätte. „Er lud mich ein, und ich zögert nicht lange. Als ich dort war, spielten wir den ganzen Rappern meine Beats vor, und die waren begeistert. So entstand „O.L.C“. Die Zusammenarbeit mit den Leuten, die damals im Westcoast-Underground aktuell und großartige Künstler waren, bedeutete mir sehr viel. Für mich war es großartig mit Defari, Tash (Alkaholiks), Rakaa (Dilated Peoples), Aceyalone, Akil und Chali2na (Jurassic 5) und Chace Infinite (Self Scientific) Tracks aufnehmen zu können.
Doch im Leben läuft es nicht immer so, wie man sich das vorstellt. Im Jahre 2000 arbeitet er mit DJ Tomekk zusammen.
Aus den Medien bekannten Differenzen und Vorfällen zwischen beiden DJ´s bekam Desue sofort Rückendeckung von seinen Jungs Samy Deluxe, KC da Rookee und D-Flame und brachte den Diss-Track "Fuk Toemack" heraus.
Im selben Jahr konnte Desue seinen ersten großen Hit, die Single „Adriano (Letzte Warnung)“ im Verbund mit den Brothers Keepers, verbuchen. „Es war sehr schön zu sehen, wie die Leute „Adriano“ und vor allem den Gedanken dahinter angenommen haben und wie die Medien auf uns, aber vor allem auf das Thema aufmerksam wurden. Es war eine gute Sache, und auch die Tour mit allen zusammen hat sehr viel Spaß gemacht.“ Doch ein Jahr später musste Desue eine weitere Enttäuschung erleben. Es wurde die „Art of War“-Tour geplant, auf der viele Künstler von Desues anstehendem Produzentenalbum auftreten sollten. Julien Smith, der mittlerweile Desues Manager war und bereits viele Jahre mit ihm zusammen arbeitete, machte sich nach langjähriger Freundschaft mit der gesamten Künstlergage aus dem Staub. Für Desue ein harter Schlag.
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Doch er ließ sich davon nicht unterkriegen. Auch sein zweites Album „Art Of War“ wurde ein herausragendes Album, mit dem er neue Wege ging und diesmal deutsche mit amerikanischen Künstlern verband. Dieses Konzept, das bei vielen heute noch nicht funktioniert, klappte hier bereits fabelhaft. Das Tracklisting klang für viele wie ein Traum, der endlich wahr wurde: Afrob und Nature, AG und Party Arty, Eißfeldt 65 und Illo 77, O.C. und Square One, Sean Price und D-Flame, Kurupt, Cassandra Steen und Kool Savas, Sadat X, KC Da Rookee und Diamond D, Curse, Afu-Ra, die Spezializtz, Samy Deluxe und Buckshot, aber auch viele mehr chauffierten das Album in die Herzen und Ohren der begeisterten Heads.
Heute ist Desue 26 Jahre alt, die letzten Jahre verbrachte er damit für die zu Anfang genannten Künstler immer wieder neue Beatbomben abzuliefern und Remixe von aktuellen US-Hits zu basteln. Nun hat er seine eigene Radiosendung „Streetlife Radio“, wieder auf Kiss FM, „die momentan noch eine reine DJ-Mix-Show ist. Die habe ich jetzt seit Juli 2005, wo ich sehr viele Klassiker und Exclusives spiele. Da wird sich aber auch noch einiges tun.“ Außerdem betreibt er mit einigen Freunden das Label Streetlife Entertainment, das sich ernsthaft auf dem Vormarsch befindet und von dem man nach zwei heraus ragenden Maxis und Deans Soloalbum „Streetlife Report“ auch in Zukunft noch einiges hören wird.
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Natürlich ist Desue auch immer noch als DJ aktiv und liebt seine Tätigkeit noch genau so sehr wie früher. „Durch das DJing hat bei mir alles erst richtig angefangen. Mit DJ Smolface und DJ Perez (heute Beathoavanz) hing ich damals sehr ab. Wir haben gemeinsam gescratcht und herumprobiert. Es ist schon cool, sich mit einem anderen DJ auszutauschen, und ich denke, es hat uns drei sehr viel gebracht.“ Nicht umsonst sind wir heute namhafte Produzenten und DJs, die regelmäßig die Clubgänger zum Durchdrehen bringen. Als DJ muss man auch Sachen ausprobieren und das Publikum testen, sonst entwickelt man sich auch nicht weiter. Denn als bessere Jukebox nur die Hits im Club zu spielen, das kann erst einmal fast jeder. Dies aber mit der Kunst des DJings zu verpacken und sich genau zu überlegen, wie man einen Abend aufbaut und gestalten kann, ist das wahre Können. Desue beweist seit vielen Jahren, dass er über genau dieses Talent in Übermaßen verfügt. „Man muss sich eben das Publikum angucken, und herausfinden was sie mögen, wozu sie tanzen und worauf sie Bock haben. Ich spiele genau so Klassiker wie aktuelle Hits.“ Haschim Elobied, wie Desue mit bürgerlichen Namen heißt, sieht sich als Erzieher und Dienstleister im Club. Er spielt einfach, was er gut findet. „Zum Glück bin ich mittlerweile soweit, dass ich das gut finde, was die Leute zum Tanzen bringt. Ich bin nicht so drauf, dass ich Aceyalone, Freestyle Fellowship oder Defari spiele, nur weil ich denke, dass man vielleicht den jüngeren diese Musik näher bringen müsste. Erstens will so etwas im Club keiner hören und zweitens höre ich diese Musik heute selbst gar nicht mehr. Wenn die Tracks im Club nicht funktionieren, ist es doch Schwachsinn sie zwanghaft den Leuten aufzudrängen. Wenn es aber tanzbare Tracks gäbe, die hier keiner ahnt, die ich aber cool finde, würde ich sie mit Sicherheit spielen.
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Würde man ihn fragen, er hätte kein Rezept dafür, wie man einen Hit produziert oder einen unvergesslichen Abend im Club bereitet. Er ist mitten drin und macht einfach nur das, wozu er sich berufen fühlt. „Ich reflektiere nicht, was ich tue. Vielleicht kommt es ja später mal, dass ich mir, wenn ich ein wenig Abstand von dem Ganzen habe, meine Sachen anschaue und denke „Mann, du hast ja echt krasse Dinger damals gemacht.“ Aber bis dahin ist noch viel Zeit, in der wir uns auf vielen Releases wieder von seinen Beats betören lassen können. Desue hat seinen eigenen Sound über viele Jahre harter Arbeit kreiert, und eben dieser Sound – der Desue-Sound – ist immer wieder aufs Neue überzeugend, einzigartig und innovativ. Er kann klassische Street-Tracks der traditionellen Eastcoast-Schule produzieren, aber auch mit modernen Club-Bangern die Tanzflächen in Brand setzen. Und wenn man ganz großes Glück hat, darf man vielleicht auch mal eine seiner legendären Clubnächte miterleben.
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