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Biografie
HipHop Musik ist etwas Feines. Das kann man ja problemlos unterschreiben. Kaum eine andere Jugendkultur hat sich in den letzten zwanzig Jahren so im Strassenbild festsetzen können, eine so vielschichtige Plattform für junge Künstler geboten, so viele wohlgeformte Damenhintern in rhythmische Bewegung gebracht, so viel Spaß gemacht. Aber HipHop Musik in Deutschland hat auch ein Problem: Die Plattform wird hauptsächlich von Menschen genutzt, die der heiligen Dreifaltigkeit aus alten Funksamples, ideenloser Selbstbeweihräucherung und undefinierbarer "Realness" huldigen. Die Damenhintern bewegen sich nur zu Tracks aus Amerika. Der Spaß kommt nur noch alle paar Monate zu Besuch.



Auftritt Olli Banjo, geboren 1977 in Heidelberg, dann 26 Jahre Aschaffenburg, neuerdings Köln. "Du und mein Penis" hieß der Track, mit dem sich Banjo 2001 einer breiteren Öffentlichkeit vorstellte und mit so einer Nummer steht man weit außerhalb des Traditionalistenlagers. Und gerade darauf hatten eine Menge Menschen gewartet. Es folgte die Ehrung zur Juice "Maxi des Monats", zum "Newcomer des Jahres" und eine solide Serie von Gastauftritten bei Deutschlands HipHop Elite: Pyranja, Roey Maquis, Plattenpapzt, Curse, Beatz aus der Bude. Und schnell machte das Wort von der tits'n'ass-besessenen Reimmaschine die Runde. Das heißt erst einmal nichts Schlechtes, denn Jeep Beats plus Sex plus geschmeidiger Flow sind in Deutschland immer noch keine Formel sondern Neuland.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2003 und Olli Banjo hat sein Debütalbum fertiggestellt. "Erste Hilfe" heisst das Ganze und es zeigt, dass Banjo weit mehr kann als nur eine Schublade zu bedienen:
mehr Humor, mehr Storytelling, mehr Tiefe und mehr Flow.

Erst einmal langsam und bitte in chronologischer Albumreihenfolge. Allein das Intro ist großes Entertainment. Banjo macht sich über deutsche Rapklischees her, gibt den "Hey, Hooo"- Partyclown, den superdeepen "Ich fühl so wie ihr"-Langweiler und den in der Oldschool festzementierten "Turnschuhe und Technics 1200"-Betonkopf. So überzeugend, dass einem die entsprechenden Künstler beim Hören zwangsläufig einfallen. "Neu & Fresh" und "Wie ein Vogel" liefern den Gegenentwurf. Sprungfedern in den Beats, Rhymes mit Testosteron und Ego locker aus der Hüfte, Blei in alle Richtungen und Arme-hoch-Hooks.

Womit wir bei Punkt zwei angekommen wären. Der da besagt: Olli Banjo hat ein ordentlich dimensioniertes Selbstwusstsein. "Ich will der beste Rapper in Deutschland sein. Ich habe mehr Flow, ich habe mehr Ideen, ich bin intelligenter. Ich will der Superstar sein. Geiles Auto, geiles Haus, alles." Viele Menschen reiben sich an solchen Aussagen. Aber Reibung erzuegt bekanntlich Energie. Olli Banjo ist höflich, cool, gut gelaunt und schildert mit solchen Sätzen einfach nur seinen Karriereplan. Und das ist sympathisch, weil undeutsch. Frech, frivol und forsch. Von solchen Typen kann Deutschland mehr gebrauchen. "Deutschland" , das ist auch ein Track auf "Erste Hilfe". „Es geht um Deutschland du mein Land der Dichter und Denker Hitler und Genscher Völler Goethe und Schiller Kirch Merk und Bänker Bratwurst Döner Kebab Ramadan Kamera an Vaterstaat Germania Hanf verbannt sehn uns nächstes Jahr am Ballermann das ist Deutschland."
Richtig: Das ist nicht mehr Pornorap, das ist weiter. Das Deutschlandbild des Herrn Banjo ist dementsprechend auch sehr ambivalent. "Ich bin hier aufgewachsen, ich bin Deutscher, ich mag Deutschland. Aber es gibt hier auch genügend Dinge, die ich Scheiße finde. Der Track reflektiert das. Deutschland ist zum Beispiel in musikalischer Hinsicht völlig behindert. Wenn bei "Wetten, dass..." ein Gospelchor auftritt, schaffen es die Leute nicht, offbeat mitzuklatschen. Behindert. Und wenn ich mich selbst als Führer bezeichne, dann heisst das für mich nur eins: Ich will den Nazis ihre Symbole wegnehmen. Ich rasiere mir ne Glatze, ich zieh mir ne Bomberjacke an, wenn ich das nur im Ansatz cool fände, würde ich mir Springerstiefel kaufen. Ich nehme denen alles weg, bis sie nichts Eigenes mehr haben."

Den politisch provokanten Olli Banjo gibt es jetzt eben auch und leider existieren kaum andere deutsche Rapper, die mit ihren Themen so cool umgehen können, so elegant die Schlaglöcher der Peinlichkeit umschiffen. Wer´s klassisch braucht: Der alte Banjo ist auch noch am Leben. Mit alten Freundinnen wie in "Pornostar", der dreckigen Nummer in "Scheiße und Pervers" oder der ersten Am 19.05. erscheinenden Single "Dein Arsch" samt einem Video von Katja Kuhl, die schon Curse und Kool Savas in die Rotationsstratosphäre beföderterte. Es ist Hymnenzeit: Weibliche Hinterteile der Welt erhebt euch, um von der Ein-Mann Jury aus den Headrush Studios begutachtet zu werden. Banjo meint dazu lachend: "In Wirklichkeit habe ich großen Respekt vor Frauen und was Sex angeht: Ich bin einfach suchtgefährdet. Ich trinke gern Wein, ich schau mir gerne Pornos an, ich ficke gern. Und ich bin Single. Wo liegt also das Problem?" Es gibt keins. Zwischen ernst und zum Umfallen lustig, Napoleon Bonaparte, Ali G und Robbie Williams rockt sich Banjo als Alleinunterhalter durch 75 Minuten Albumlänge und nimmt dabei nur selten fremde Hilfe in Anspruch. Und wenn, dann hochkarätige: Curse ist auf "Alphabet" zu Gast, Schivv von DCS auf "Urlaub". Das wär´s dann auch schon. Fehlt noch die Musik. Und die kommt auf "Erste Hilfe" von Roe Beardie, dem Headrush Chiefrocker. Die Ideen aus dem Düsseldorfer Pult sprühen in alle Himmelsrichtungen: Minimale Stepper, epische Sägezahnmonster, technoid, organisch, rockend, sphärisch: alles geht. Und wenn du denkst, das die Grenzen erreicht sind, beginnt Banjo zu singen wie ein junger Pharrell Williams und rundet damit eines der lockersten, von Schablonen befreiten besten HipHop Alben Deutschlands ab. Und weil sich so ein Tonträger nicht nur gut im Schrank sondern auch auf der Bühne macht ging Banjo im April und Mai mit Curse auf Tour, um alle zur Verfügung stehenden Hallen niederzurocken. Und spätestens jetzt muss es klar sein: HipHop wird wieder sinnvoll genutzt, die Damenhintern bewegen sich zu deutschen Tracks und Spaß macht das Ganze auch noch. Danke für die "Erste Hilfe".
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